Maßhemden vom Atelier Bechtloff

Bechtloff Maßhemden

Das Atelier Bechtloff ist eine im Forum häufig erwähnte Hemdenschneiderei mit Sitz in Frankfurt am Main. Inhaber Kurt Bechtloff fertig mit seiner Frau und seinen Mitarbeitern Maßhemden nach individuellen Wünschen und aus einer Fülle von Stoffen sehr hochwertiger Lieferanten.

Stoffe

Bechtloff verfügt über eine Reihe von lagernden Standard-Stoffen, sowie manches Schmankerl, das sich entdecken lässt wenn man mit ihm durch die Schneiderei geht. Bei meinem ersten Besuch war ich gleich von einem  sehr luftigen weißen Giro Inglese angetan, den ich mir für ein Button-Down-Hemd (ähnliche Finamore Button-Down) sehr gut vorstellen konnte. Der praktischen Notwendigkeit geschuldet bin ich bisher immer bei Businesshemden geblieben, sodass ich noch kein Freizeithemd bei Bechtloff habe anfertigen lassen.

Ablauf

Beim ersten Termin habe ich zum Maßhemden ein Schlupfhemd, das ungefähr meiner Größe entsprach, angezogen. Anhand dessen wurden verschiedene Maße aufgenommen und wir haben besprochen welchen grundsätzlichen Sitz ich mir vorstelle. Neben der Durchsprache verschiedener Standard-Details (Manschetten, Knöpfe, Knopfleiste, etc.) haben wir viel Zeit mit der Gestaltung des Kragens verbracht. Meine Vorstellung haben wir anhand von Modellen besprochen und entsprechende Änderungen wurden festgehalten. So hatte das für den nächsten Termin angefertigte Probehemd bereits einen Kragen, der meinen Wünschen und Vorstellungen entsprach und den wir dann für das „erste richtige Hemd“ nur noch geringfügig angepasst haben.

Auf das Probehemd, das bereits gut saß, folgte wie angesprochen die erste richtige Anfertigung und als wir dort gesehen haben, dass alles passt wurden die beiden verbleibenden Hemden angefertigt. Ich habe beim ersten Auftrag zwei weiße und ein hellblaues Hemd in identischer Ausstattung bestellt, deshalb brauchte es für Hemd 2 und 3 des ersten Auftrags keine weiteren Absprachen mehr. Entscheidet man sich die Hemden unterschiedlich zu gestalten, findet natürlich auch eine separate Abnahme statt.

Zur Abholung bin ich nicht mehr nach Frankfurt gefahren, die Hemden wurden mir per Paket zugesendet.

Reparaturen

Da die Erstbestellung schon eine Weile zurück liegt habe ich zwischenzeitlich auch Erfahrungen mit Reparaturen sammeln können, die immer sehr sorgfältig ausgeführt wurden. Eine Manschette habe ich bereits tauschen lassen, an einem weiteren Hemd habe ich die Ärmel kürzen lassen, da ich den Ärmelstoff zerrissen habe (hängen geblieben). Auf dem preislichen Level lohnen sich Reparaturen und das Austauschen von einzelnen Komponenten meiner Meinung nach. Nicht immer ist das möglich, aber gerade bei weißen Businesshemden sind die Hürden gering.

Preise

Die größte (emotionale) Hürde war für mich die Mindestmenge von 3 Hemden beim ersten Auftrag. Damit liegt man gleich bei einem mittleren bis hohen 3stelligen Betrag. Wenn man besondere Wünsche bezüglich des Stoffes hat, lässt sich womöglich auch ein vielstelliger Vorkommabetrag für 3 Hemden realisieren.

Soll heißen: Mit 220€+ je Hemd muss man rechnen (ohne dass das jetzt ein verbindlicher Wert wäre), besondere Wünsche können einen Aufpreis bedeuten, ebenso wie Übergrößen. Da ich mittlerweile mein Standard-Hemd auf Zuruf nachbestelle bin ich allerdings in den Details nicht mehr so ganz drin, da bitte ich um Verständnis.

Persönlich habe ich ca. 2 Jahre darüber nachgedacht, ob ich das Wagnis eingehen soll. Es war am Ende den Bildern und Erfahrungsberichten im Forum geschuldet, dass ich mich entschlossen habe nach Frankfurt zu fahren, um Hemden anfertigen zu lassen.

Kritik

Persönlich bin ich mit meinen Bechtloff Hemden sehr zufrieden. Sie bieten mir den Komfort, den ich gesucht habe und mit Herrn Bechtloff den Gesprächspartner, den ich mir bei einer persönlichen Anfertigung wünsche. Die Verarbeitung und die Haltbarkeit der Hemden würde ich als sehr solide und gut einstufen. Das oben schon angesprochene Nachbestellen habe ich schon mehrfach aus der Ferne erledigt und es hat jedes Mal wunderbar funktioniert.

Aus dem Forum und auch aus seinen Erzählungen ist mir bekannt, dass es in der Vergangenheit auch mal Projekte gab, die nicht zu hundertprozentiger Zufriedenheit alle Beteiligten ausgegangen sind. Aus der Ferne kann ich es nicht beurteilen, würde aber aus eigener Erfahrung an anderer Stelle sagen, dass das vorkommen kann. Zu Gute halten muss man Herrn Bechtloff, dass er grundsätzlich äussert bemüht ist jeden Kundenwunsch zu realisieren – vielleicht war das aber auch der Fehler.

In jedem Fall bin ich sehr froh „mein Standard-Businesshemd“ gefunden zu haben. Aufgrund meiner Statur kommen Standardgrößen für mich nicht infrage, was mich automatisch zu Maßhemden führt. Wer italienische Sprezzatura mit entsprechenden Details am Hemd sucht, für den wird das Atelier Bechtloff möglicherweise nicht der richtige Partner sein, hier versteht man sich eher auf ein klares englisches Hemd.

Da Individualität und Service im Atelier Bechtloff groß geschrieben wird, werde ich weiterhin gerne dort Kunde sein.

Bilder

Hier noch ein paar Bilder des aktuellen Hemdes, an dem blauen Hemd wurden wie oben angesprochen die Ärmel gekürzt – zum „Verschrotten“ war es mir zu schade.

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Andreas Gerads ist Gründer und Inhaber von Stilmagazin.de. Er schreibt seit 2008 regelmäßig über Stil, Kleidung und Genuss. Sein erste Inspirationsquelle ist das Buch "Dressing the Man" von Alan Flusser.

4 Comments

  1. Vonauern

    7. April 2017 um 18:09

    Wie ich sehe (Abbildung Nr. 6), sind die Hemdenknöpfe nicht einmal „auf Stiel genäht“, und das für 220€+ je Hemd!?
    Der Stoff ist, soweit man das auf den Abbildungen sehen und beurteilen kann, auch nichts besonderes, und Zwickel/ Beinecken haben die Hemden offenbar auch keine!
    Positiv: Kurze Stichfolge, saubere Knopflochverarbeitung
    Nein danke, da gibt es Hemden mit besserem Preis-/Leistungsverhältnis!

  2. Andreas Gerads

    8. April 2017 um 09:15

    Hallo Vonauern,

    richtig, die beschriebenen Merkmale wie „Knöpfe auf Stiel“ oder die beschriebenen Zwickel, wie wir sie damals bei dem LB-Hemd gesehen haben (und vermutlich auch heute noch sehen): https://www.stilmagazin.de/hemden-im-vergleich-luigi-borrelli-napoli/?thumbpage=1&picture_id=136 hat das Bechtloff Hemd nicht. Das war mir auch aufgefallen, als ich den Beitrag verfasst habe.

    Dann habe ich mich aber auch gefragt, ob das eigentlich wesentliche Merkmale sind, oder eher ein „Sahnehäubchen“. Ob man die Merkmale in die eine oder andere Gruppe sortiert ist sicher Geschmacksache.

    Ich gebe Ihnen aber Recht: Die Hemden sind teuer! Was sicher nicht nur der Arbeitsleistung, sondern auch dem Umfeld Frankfurt geschuldet ist.

    Beste Grüße

    AG

  3. Vonauern

    9. April 2017 um 21:16

    Hallo Herr Gerads,

    „Das war mir auch aufgefallen, als ich den Beitrag verfasst habe.“
    Nachdem Sie zwei Jahre darüber nachgedacht haben, „ob ich das Wagnis eingehen soll“?

    „……. ob das eigentlich wesentliche Merkmale sind, oder eher ein „Sahnehäubchen““
    Man kann es als „Sahnehäubchen“ sehen, aber bei Preisen von 220€+ je Hemd, sollte es, meiner Ansicht nach, eigentlich Standart sein!
    Möglicherweise kommt noch „erschwerend hinzu“, dass es keine echten Perlmuttknöpfe sind, oder doch?

    Es ist heutzutage nicht mehr so einfach echt von unecht zu unterscheiden, mir fällt das immer wieder bei (Büffel-)Hornknöpfen auf. Die Knopfindustrie ist da offenbar schon sehr weit gekommen.

    Aber letzten Endes kommt es nur darauf an, dass Sie persönlich zufrieden damit sind, und sich nicht darüber ärgern, das „Wagnis“ eingegangen zu sein! Und wenn einem dabei auch noch „der Bauch gepinselt wird“ ist das doch auch mal ganz schön!

    Gruß
    Vonauern

  4. Andreas Gerads

    10. April 2017 um 20:10

    Guten Abend Vonauern,

    Ja, auch nach 2 Jahren – weil die Investition von 3 Hemden für mich eine Hürde darstellt und nicht ob die Knöppe auf Stiel genäht sind oder nicht :)

    Beim Knopfmaterial verlasse ich mich auf Herrn Bechtloff, der mir sagte, dass es eigens für ihn angefertigte Perlmuttknöpfe seien.

    Beste Grüße

    AG

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