Der perfekte Dimple

Eine gut gebundene Krawatte sollte unterhalb des Knotens eine mehr oder weniger kräftige Falte, den Dimple, aufweisen. Ob und wie gut sich dieser herstellen lässt, hängt von einer Reihe verschiedener Faktoren ab. Die richtige Bindetechnik ist dabei nur einer von vielen. Zunächst kommt es darauf an, die richtige Krawattenbreite und ein geeignetes Material für das Vorhaben „perfekter Dimple“ auszuwählen. In der Regel gilt:

  1. Je steifer das Material der Krawatte, desto kräftiger wird der Dimple ausfallen.
  2. Breite Krawatten lassen sich leichter mit einer Falte binden, als schmale.
  3. Je Fester das Einlagematerial, desto formstabilder wird der Dimple sein.

Alle drei der genannten Faktoren beeinflussen, wie lang, wie haltbar und wie ausgeprägt der Dimple ausfällt. Eine gut eingeübte Bindetechnik kann jedoch auch bei nur mittelmäßigem Ausgangsmaterial gute Ergebnisse erzielen:

  1. Binden Sie einen Four-in-Hand. Mit etwas Übung lässt sich ein Dimple auch mit jedem anderen Knoten erzielen. Der Four-in-Hand ist aber einerseits besonders lernfreundlich, andererseits unserer Meinung nach ohnehin der einzige Krawattenknoten, den man beherrschen muss.
  2. Bevor Sie den Knoten zuziehen, fassen sie das breite Ende der Krawatte unterhalb des Knotens mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger so zusammen, dass sich unter dem Zeigefinger eine Falte bildet.
  3. Ziehen Sie den Knoten behutsam zu, um die entstandene Falte zu fixieren. Ein zu lose gebundener Knoten wird keinen Dimple erzeugen können.
  4. Um die Falte nochmals zu fixieren und die Krawatte schöner vom Kragenband abstehen zu lassen, ziehen Sie das breitere Ende links und rechts direkt unterhalb des Knotens mit Daumen und Zeigefinger beider Hände leicht auseinander. So erhöhen Sie die Spannung im Knoten und sorgen für dauerhaften Halt des Knotens.

Ein Rat zum Schluss: Keine Krawatte gleicht einer anderen einhundertprozentig. Somit wird auch der geübteste Krawattenträger nicht jede Krawatte immer in der gleichen Art binden können. Grenadineseide hat beispielsweise selbst unter Connaisseuren ihren Ruf als Knotenzicke weg. Verzagen Sie deshalb nicht, wenn unter Ihrem Krawattenknoten einmal kein perfekt inszeniertes Fältchen steht — es gibt wichtigere Details, als einen makellosen Dimple in der Krawatte.

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Florian S. Küblbeck

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk "Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten" gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.

Show 13 Comments
  • Andreas Gerads 9. Dezember 2010, 09:05

    Ich wette heute wird in deutschen Büros um die Wette gedimpelt.

  • shop 9. Dezember 2010, 09:29

    Neben den groben Leitlinien die zu beachten sind, ist der Knoten etwas sehr persönliches…eigentlich sogar das letzte persönliche Erkennungszeichen nach außen…neben dem Schnürsenkel^^
    Er ist wie eine Unterschrift, daher finde ich “perfekt“ gezogene Knoten ganz grausam….etwa so persönlich wie eine Unterschrift in Blockschrift :-)

  • Andreas Gerads 9. Dezember 2010, 09:51

    Ha, bei mir ist es genau anders. Jede Krawatte die nicht wirklich gut gebunden ist, sieht aus wie gewollt und doch nicht gekonnt. Deshalb verbringe ich auch gerne mal ein paar Minuten länger vor dem Spiegel, häufig mit ein paar (und noch ein paar mehr) Iterationen.

  • Mike 9. Dezember 2010, 10:12

    So geht’s mir auch. Ich trage keine Krawatte ohne Dimple. Rein optisch wirkt der Binder dadurch viel plastischer und sieht schöner aus. Und trifft man einen anderen Dimple-Träger auf der Straße (was selten genug passiert), fühlt man sich direkt verbunden. Ohne Dimple kann jeder. Will ich wie jeder sein???

    http://inner-city-style.blogspot.com/

  • brisko 9. Dezember 2010, 12:07

    Danke für den Beitrag. Funktioniert der Dimple auch mit Strick-Krawatten? Die haben sich bei eher als „Knotenzicke“ erwiesen…

  • Tobias 9. Dezember 2010, 13:07

    Erst gestern habe ich eine neue Wollstrickkrawatte getragen und mit ihr den schönsten Dimple seit langem erzielt. Auch bei Seidenstrick lässt sich in der Regel ein schöner Dimple formen – notfalls im zweiten oder dritten Versuch.

  • Dennis 9. Dezember 2010, 13:35

    Schönes Ding, Florian.

    Und ja, ohne Dimple ist ne Krawatte einfach nix. Und beim Knoten sollte nicht geschlampt werden!

  • shop 9. Dezember 2010, 14:44

    naja zum Glück wirkt es durch die unterschiedlichen Einlagen etwas verschieden…..eine Runde mit Krawattenträgern in der ein Dimpel ausschaut wie der andere…..gruselige Vorstellung…..da geht die Menschlichkeit ja ganz verloren (ok, das ist etwas übertrieben^^)

  • Mike 9. Dezember 2010, 17:26

    @Shop:

    Gruselige Vorstellung? Menschlichkeit? Bei gedimpleten Krawatten? Was ist das für ein kruder Zusammenhang?

    Fakt ist doch, dass ich in jedem Meeting diese flachen, nichtssagenden Knoten sehen muss, die alle gleich aussehen. DAS ist gruselig. Dass ausschließlich Dimple-Träger zusammensitzen, ist mir in 13 Jahren Arbeit in der Mediabranche noch nie passiert.

  • Camara 9. Dezember 2010, 20:22

    Mein neues Lieblingswort ist „Knotenzicke“ :-D

    Grüße
    Camara

  • Henry Wotton 9. Dezember 2010, 21:41

    Ich weiss nicht, aber bei einer -eher breiten- Krawatte mit einem (doppelten) Windsorkonten gebunden finde ich einen Dimple wenig passend. Beim „Aussendienst“-Four-in-Hand (lass die Zügel los…..) von mir aus…………..

  • shop 10. Dezember 2010, 09:31

    Hallo Mike,
    das ist witzig…einmal stellen Sie einen Zusammenhang in Frage….kurz darauf schließen Sie im selben Feld auch einen :-D

    Meine Gruselvorstellung hat nichts mit dem Dimpel an sich zu tun….eher mit dieser Vereinheitlichung…. beim „Dimpeln“ hat man(n) ja sogar noch die Möglichkeit diesen etwas persönlich zu gestalten…..

    das Wort „perfekt“ hat (für mich ganz perönlich) überhaupt gar nichts mit einem Krawattenknoten zu tun :-)

  • Art 20. September 2012, 09:16

    Naja, Dimple hin oder her. Man muss ihn auch mögen. Persönlich mag ich ihn nicht so, er sieht aus wie ein Mund, wie 2 Lippen, er zieht zu viel Aufmerksamkeit auf sich.

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