Gut gestrickt ist halb gebunden: Petronius

Titus Petronius war um das Jahr 60 Prokonsul der Römischen Provinz Bithynien. Darüber hinaus war der Autor des heute nur noch bruchstückhalber erhaltenen Satyricon einer der ganz wenigen wirklich engen Vertrauten von Kaiser Nero und wurde von diesem zum arbiter elegantiae, dem Richter des guten Geschmacks, ernannt. Nicht ganz so alt und literarisch vollkommen ohne Ambitionen, dafür aber ebenfalls ganz weit vorne in Sachen Eleganz ist ein anderer Petronius, der seine Geschäfte von Mailand aus betreibt.

Dieser Petronius ist ein in dritter Generation handwerklich arbeitender Krawattenhersteller. Der Name des Betriebs wurde als Hommage an den großen Stilhelden und legendären Müßiggänger der Römischen Antike gewählt und zeugt vom Willen, stets nur das beste Produkt in schönster Form anzubieten. Gegründet von Luigi Wollisch, befindet sich der Betrieb noch heute im Besitz der Gründerfamilie. Luigi Junior, Simona und Gigliola, die Enkel des ursprünglichen Eigners, lenken heute die Geschicke der Firma. Auch für sie gilt, was der Großvater nie müde war zu betonen: Die Krawatte ist unverzichtbares Symbol des eleganten Mannes.

Mittlerweile birgt das Repertoire von Petronius neben vollständig handgemachten Krawatten in zahlreichen Varianten von der simplen dreifach gefalteten bis zur ungefütterten siebenfach gefalteten mit handrollierten Säumen auch Schals, Halstücher und Schleifen. In den letzten Jahren konnte man sich zudem ein hervorragendes Renommée für feine Strickkrawatten erarbeiten — die Modelle mit spitzem Ende, einem für diese Art des Binders eher unübliche Form, erfreuen sich bei Kennern besonders großer Beliebtheit.

Die Produktqualität lässt keine Wünsche offen. Die Krawatten sind sauber gefaltet, dabei aber lebhaft und füllig, ohne zu dick gefüttert zu sein. Die rückwärtige Verschlussnaht ist haltbar und von Hand ausgeführt. Die handrollierten Kanten an einigen Krawatten und allen Tüchern erfreuen das Auge und zeugen von liebevoller Detailversessenheit. Spielerische Details wie die in einige Modelle eingearbeitete Glücksbringer sind zwar sicher nicht jedermanns Geschmack, aber in Italien, so hat man uns versichert, le dernier cri. Auch wenn sich natürlich nicht genau beurteilen lässt, wie der historische Petronius über die Krawatten aus dem hause Wollisch geurteilt hätte — wir behaupten, er wäre begeistert gewesen!

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk "Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten" gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.

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