Gute Herrenausstatter

Liegt es daran, dass sie an sich eine aussterbende Gattung darstellen oder daran, dass diejenigen, die noch übrig sind, großteils keinen Wert auf Qualität legen können oder wollen? Wie man es auch drehen oder wenden mag — Tatsache bleibt, dass der Gang zum Herrenausstatter für viele Männer zwar grundsätzlich eine angenehme Vorstellung ist, die Praxis ihnen dieses Vergnügen allerdings oft nicht bieten kann. Entweder Mann sieht sich umstellt von einer großen Zahl bestenfalls mittelmäßiger Herrenausstatter und dadurch beim Kauf von Anzug, Krawatte und Co. konfrontiert mit der Wahl des geringeren Übels, oder aber es besteht überhaupt keine Wahlmöglichkeit, weil der einzige Herrenausstatter im eigenen Wohnort ohnehin bereits ums finanzielle Überleben kämpft.

Doch zunächst einmal genug mit den Schreckens-Szenarien. Die gute Nachricht lautet, dass es auch in Deutschland noch eine große Zahl guter Herrenausstatter gibt. Man sollte nur wissen, wo man sie findet. Und wie man nach ihnen sucht. Notfalls auch im weiteren Umkreis — es lohnt sich. Hier einige Tipps zur Auswahl eines Herrenausstatters, der zu ihnen passt.

Um einigermaßen schnell zu einem guten Herrenausstatter zu finden, schadet es nicht, sich Hilfe zu suchen. Idealerweise ist das ein Vorbild aus dem unmittelbaren Umfeld, dessen Kleidungsstil Ihnen gefällt. Fragen Sie solche Personen gezielt nach Geschäften, die sie gerne besuchen und in denen sie häufig einkaufen. Besonders zufriedene Herrenausstatter-Kunden erkennen Sie daran, dass sie wenige Lieblingsgeschäfte nennen, denen sie dann allerdings besonders treu sind. Diese Recherchemethode mag etwas subjektiv sein, in jedem Fall erspart sie erfahrungsgemäß aber eine ganze Menge Reinfälle.

Ist die Wahl auf eine Handvoll verschiedener Ausstatter gefallen hilft eigentlich nur eines: Testen. Besuchen Sie reihum alle Herrenausstatter, die für Sie in Betracht kommen und prüfen Sie, ob sie den Ansprüchen entsprechen, die sie an einen guten Herrenausstatter stellen. Sehen Sie zum Beispiel nach, ob die Auswahl an Anzügen in Ihrer Größe dauerhaft groß genug ist, um Ihnen angemessene Wahlmöglichkeiten bei jedem Einkauf offen zu lassen. Auch die durchschnittliche Preisklasse der angebotenen Stücke sollte ein Indikator sein, schließlich haben weder Sie noch der Ladenbesitzer viel von Ihrer Zuneigung, wenn sie nicht in Umsatz mündet.

Sie sollten sich nicht verpflichtet fühlen, bei jedem Besuch — auch nicht bei den Testbesuchen — etwas zu kaufen. Im Gegenteil: Guter Service misst sich nicht zuletzt daran, wie Verkäufer auch dann mit Ihnen umgehen, wenn Sie ohne Kaufabsicht im Laden stehen. Sind die Angestellten trotzdem freundlich und beraten Sie ausführlich genug? Falls Sie diese Frage mit „Ja“ beantworten können, dürfen Sie zuversichtlich sein, einen guten Herrenausstatter gefunden zu haben.

Besonders beim ersten Besuch kann es sinnvoll sein, einen Katalog persönlicher Präferenzen im Kopf zu haben, anhand derer der Herrenausstatter eingeschätzt werden kann. Ein solcher Präferenzenkatalog kann beispielsweise verschiedene Hersteller oder Marken enthalten, die Sie angeboten sehen wollen. Auch die konzeptuelle Ausrichtung des Gesamtangebots kann eine Rolle spielen, also zum Beispiel die Frage, ob der Herrenausstatter ein sehr klassisches oder ein eher modernes Sortiment anbietet und ob sich dieses Angebot auch in der Einkaufsatmosphäre niederschlägt. Derjenige Laden, der die meisten Kriterien dieser Merkmalsliste erfüllt, ist ein guter Kandidat für Ihren besten Herrenausstatter.

Zum Abschluss ein wichtiger Tipp: Den einen, objektiv perfekten Herrenausstatter gibt es nicht. Ob und wie sehr Sie sich in einem bestimmten Laden gut beraten und betreut fühlen, ist letztendlich sehr subjektiv. Entsprechend unterschiedlich werden Einzelmeinungen über „Ihren“ Lieblingsladen und dessen Gesamteindruck ausfallen. Umso wichtiger ist es, sich von solchen — wiederum sehr subjektiven — Meinungsbekundungen nicht verunsichern zu lassen. Schließlich zählt nicht, wen Sie mit Ihrem Lieblingsgeschäft beeindrucken, sondern ausschließlich, wie — und wie gut — dieses Geschäft Sie anzieht.

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk "Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten" gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.

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