Hemden im Vergleich: Finamore

Die italienischen Hersteller sind bekannt für handgefertigte Hemden aus besten Stoffen und modernen Schnitten. Finamore ist einer dieser Hersteller, die meist – wie Finamore auch – aus der Gegend um Neapel stammen. Hier werden Hemden in traditioneller neapolitanischer Schneiderkunst noch von Hand gefertigt und weisen eine unverwechselbar hohe Qualität auf. Ein Grund mehr Ihnen in der Serie „Hemden im Vergleich“ eines dieser Hemden vorzustellen und genauer auf die Details einzugehen.

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Ausgehend von einem Hemd in Größe 44 mit Buttondown-Kragen und Sportmanschette (Umschlagmanschette findet man selten bei Finamore), möchte ich mit ein paar allgemeinen Eindrücken beginnen, denn diesmal ist es insbesondere der Baumwoll-Stoff, der durch seine Griffigkeit in`s Auge fällt. Das klassische Muster mit weißen und blauen Streifen passt eigentlich eher in das Frühjahr als in die aktuelle Herbstzeit. Die Stoffqualität ist wirklich beachtlich und ganz ohne Zweifel sehr gut. Insgesamt fällt auf, dass das Hemd wesentlich weicher im Kragen- und Manschettenbereich gearbeitet ist, als es zum Beispiel das Borrelli oder Barba Hemd waren. Der Buttondown-Kragen ist sehr ausladend – deutsche Hersteller setzen die Knöpfe an denen der Kragen befestigt wird gerne wesentlich näher an den Hals, was Buttondown-Hemden schnell spießig wirken lässt. Die Italiener verstehen sich aber auf elegante Lässigkeit, ganz so wie Ignatious Joseph sie in seinem Interview beschworen hat.

Alle Nähte, wie auch die Knopflöcher sind mit extrem feinen Stichen vernäht – absolut meisterliche Verarbeitung. Die Knöpfe sind aus dickem Perlmutt und sind mit einem Kreuzstich auf der Knopfleiste vernäht, welche bei diesem Hemd glatt und nicht aufgesetzt ist. Aufgesetzt ist hingegen die Brusttasche und zwar auf den Zehntel Millimeter genau so, dass das Muster ohne Unterbrechung fortläuft. Diese Arbeit lässt sich auch in der sauber verarbeiteten Schulterpartie beobachten.

An den Manschetten fällt ebenso wie damals bei unserem Bericht zum Kiton Hemd auf, dass der Knopf relativ weit hinten platziert ist. So lässt sich die Manschetten bei bestimmten Situationen (wie Händewaschen) problemlos ein Stück umschlagen, ohne dass der Knopf geöffnet werden müsste. Der Saum ist wie bei allen hochwertigen Hemden mit einem Keil versehen, der das Hemd gegen ein Einreißen an dieser Stelle schützt.

Fazit
Finamore Hemden sind ein echter Geheimtipp. Das Hemd, welches wir Ihnen heute vorgestellt haben überzeugt durch seine besondere Stoff- und Verarbeitungsqualität auf der ganzen Linie. Die Finamore-Webseite ist bereits eine ganze Weile nicht mehr verfügbar, über diesen Link gelangen Sie aber auf einige verbliebene italienische Fragmente. Ansonsten bleibt nur der direkte Gang zu Herrenausstattern wie Diehl und Diehl, Bernd Waltemode in Bensheim, oder M&W in Bad Soden – kein schlechter wie ich finde!

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Über Andreas Gerads 418 Artikel

Andreas Gerads ist Gründer und Inhaber von Stilmagazin.de. Er schreibt seit 2008 regelmäßig über Stil, Kleidung und Genuss. Sein erste Inspirationsquelle ist das Buch „Dressing the Man“ von Alan Flusser.

1 Kommentar

  1. Ich war letztes Jahr im Herbst in Neapel und habe mir, seit langem wieder einmal, zwei Finamorehemden in der Via Calabritto gekauft. Ein sehr kleiner Laden übrigends, vollgestopft mit Hemden und Blusen. Habs ausprobiert: der Link http://www.finamore.it funktioniert auch wieder. Verlockend: Gleich um die Ecke liegt das Geschäft von E. Marinella, hier kann man sich dann gleich die passende Krawatte aussuchen… Doch das reißt dann wirklich ein großes Loch in die Urlaubskasse. Geheimtipp: Schaut euch mal auf der Via Toledo um. Hier gibt es Geschäfte mit 7-fold zu gemäßigten Preisen. Sogar die Straßenstände, die zum Teil Krawatten ab 5 EUR anbieten, haben hin und wieder Überraschungen parat. Ich habe mir vier Krawatten aus feiner Baumwolle gekauft. super, ehrlich! —Finamore hat qualitativ wieder zugelegt und den Anteil an Handarbeit erhöht und die Schnitte leicht modisch angepasst, endlich haben sie auch wieder den Anteil von Hemden mit handgenähten Knopflöchern erhöht! Ich bin stolzer Träger ausgewählter neapolitanischer Hemden. „Oje, wenn man damit erst einmal anfängt…“ Dazu zählen Kiton, Luigi Borrelli, Barba Napoli, Finamore, Morziello, Pino Borriello und Merolla & de L’Ero. Es gibt wirklich nur kleine Unterschiede bei diesen Ausnahmeherstellern. Die Stoffqualität steht bei allen Fabrikaten außer Frage. Ralph Ecks, der Geschäftsführer des Flagshipstores von Kiton hat mich, als er noch beim Herrenausstatter Braun gearbeitet hat, auf folgenden Unterschied zwischen einem Kiton- und Borrellihemd aufmerksam gemacht. Der Ärmelansatz des Kitonhemdes ist enger gearbeitet. Es liegt damit enger am Torso an, der Brustkorb kommt stärker zur Geltung. Achtet mal darauf, es stimmt! Zudem sind die Knöpfe flach und nicht so dick wie bei den anderen Herstellern. Argument für Kiton: Die dicken Knöpfe zeichnen sich unter Feinstrick zu stark ab. Ich hingegen liebe diese dicken Perlmuttknöpfe, die bei genauem Hinsehen einen feinen marmorierten Effekt auf der Muschel zeigen. Mein Favorit ist und bleibt das Borrelli-Hemd. Zu allen oben beschriebenen Besonderheiten finde ich die Rückseite der Knopfleiste, die mit feinem Faden handgenäht bis knapp zur Brusthöhe reicht und mit einem mit Knopflochstich gearbeiteten Siegel abschließt. Ansonsten sind die Unterschiede zu den anderen Anbietern marginal. Barba hat seit 2007 leider nachgelassen… und Kiton ist im Vergleich einfach zu teuer!

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