Must-haves für die warme Jahreszeit

Wolle und Seide in PanamabindungAuch wenn er sich derzeit noch bitten lässt: der nächste Sommer kommt bestimmt. Bis jedoch die warmen Tage des Jahres hierzulande Einzug halten bleibt noch genug Zeit, sich über eventuelle Neuanschaffungen im eigenen Kleiderschrank den einen oder anderen Gedanken zu machen. Hier finden Sie eine kleine Zusammenstellung mit Anregungen für heiße Tage und laue Abende, die in keiner Garderobe mit Anspruch auf Vollständigkeit fehlen sollten.

Kaum ein Gewebe verbindet man gemeinhin so sehr mit dem Sommer wie Leinen. Ein Anzug aus erlesenem, festem Irischem Leinen kann an heißen Tagen ein wahrer Segen sein. Leinen ist in der Lage, Feuchtigkeit schnell und effektiv vom Körper wegzuleiten und erlaubt dank seiner atmungsaktiven Fasern eine erhöhte Luftzirkulation. In beige, kaffeebraun oder —besonders businesstauglich— dunkelblau kann er zum langjährigen, weil zeitlosen Begleiter im Sommer werden. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass das Gewebe eher schwer ist, damit es nicht zu sehr knittert. Zwar wird auch das festeste Leinen nie ganz faltenfrei bleiben, mit höheren Grammaturen werden Sitzfalten allerdings weniger scharf. Für ganz besonders korrekte Trageanlässe ist Leinen freilich nicht die ideale Wahl.

Für solche Gelegenheiten eignet sich Fresco, ein offenporiges Gewebe aus besonders stark verzwirnten Wollfasern umso besser. Fresco hat den Vorteil, Bügelfalten besonders gut zu halten und wenig knitteranfällig zu sein. Besonders Geschäftsleute mit vollem Reisekalender schätzen Fresco als ideales Gewebe für unterwegs. Bereits wenige Stunden auf dem Kleiderbügel genügen, um selbst schlimmste Quetschungen und Knitter, die der Kofferdeckel auf dem Anzug hinterlassen hat, im wahrsten Sinne des Wortes auszubügeln. Nicht nur als Anzug, auch als Blazer macht Fresco, oder besser: dessen Träger, eine gute Figur. Da es vielerorts im Sommer ohnehin etwas weniger zugeknöpft zugeht als im Winter, kann ein hervorragend passender Blazer hier wertvolle Dienste leisten. Noch leichter und luftdurchlässiger wird ein sommerliches Sakko durch ein sogenanntes Halbfutter. Bei dieser Variante wird der Jackenrücken nur an den Schultern und knapp darunter gefüttert. Bei entsprechender Verarbeitung der Jackenbrust kann auch der Hüft- und Bauchbereich des Sakkos ohne Futter bleiben. Die Jackenärmel sollten allerdings stets gefüttert bleiben, um das Anziehen zu erleichtern und ein Durchscheinen der Hemdsärmel zu vermeiden.

Oxford, Lanella und Twill mögen für die Zeit von Oktober bis März erste Wahl für in Sachen Hemdenstoff sein, für den Sommer sind sie gänzlich ungeeignet. Besonders dünne Stoffe neigen allerdings zum Knittern. Eine gute Alternative können auch hier losere Webarten sein. Panamabindige Baumwollgewebe sind besonders ratsam. In konservativen Farbtönen wie hellblau, weiß oder hellgelb, sowie mit simplen Streifendessins sind sie absolut geschäftstauglich und angenehm zu tragen. Auch Leinen kann, sofern man mit den Knittern leben mag, als Sommerhemd eine Überlegung wert sein. Eine akzeptable Leinenqualität für Hemden zu finden, kann allerdings mitunter schwierig sein, zumal viele Hemdenmacher leidglich wenige Mustervarianten anbieten. Investieren sie im Zweifelsfall lieber etwas Zeit in die Suche nach dem für sie perfekten Leinenhemd.

Sommerliche Straßen sind natürlich die Paradedisziplin des Loafers. Die geringere Menge Leder, die den —je nach Anlass auch mal strumpflosen— Fuß bedeckt, kann sich bereits wesentlich auf das Fußklima auswirken. Wichtig für ein angenehmes Tragegefühl ist, besonders bei einer Schuhvariante ohne Schnürung, eine gute Passform. Achten Sie auf einen festen Sitz um den Rist und an der Ferse, um nicht Gefahr zu laufen aus dem Schuh zu rutschen. Andere sommerliche Schuhmodelle, beispielsweise solche aus geflochtenem Leder oder mit gelochten Schaftteilen sind, aufgrund ihrer geringeren Beliebtheit, von der Stange eher schwer zu finden. Für Gelegenheiten, die solch legere Fußbekleidung ausschließen gibt es Schuhe, die äußerlich nicht von ihren Winterpendants zu unterscheiden sind, jedoch leichter verarbeitet sind.

Accessoires wie leichte Leinenschals und Krawatten aus Thaiseide oder Mischgeweben aus Leinen und Seide vervollständigen den legeren Sommerlook. Die warme Jahreszeit kann kommen!

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk "Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten" gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.

5 Comments

  1. TomE

    14. April 2010 um 11:00

    Danke für den tollen Bericht, wirklich erstklassig.

  2. RichardS

    14. April 2010 um 11:45

    Nicht zu vergessen bei sommerlichen Hemdenstoffen: Voile. ME gibt es kaum etwas anderes an heißen Tage.

  3. RichardS

    14. April 2010 um 11:46

    …kaum etwas „Besseres“ sollte es natürlich heißen.

  4. Julian O.

    17. April 2010 um 16:52

    Wie immer ein super Artikel!

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