Der Smoking

Eine der besten Begleiterscheinungen jeder Winterkollektion für den Gentleman ist die alljährliche Ballsaison. Die wenigen Wochen zwischen Oktober und Februar halten den Großteil der ohnehin viel zu seltenen Gelegenheiten für Männer parat, sich auch heutzutage noch so richtig schick zu machen. Oder anders gesagt: Es ist endlich wieder Zeit, den Smoking aus dem Schrank zu holen. Der Smoking ist als männliches Gegenstück zum Abendkleid und legitimes Outfit für den Ballsaal eine recht junge Erfindung. Ursprünglich entstand er als bequeme und lässige Alternative zum Frack für häusliche Gesellschaften und informelle Dinners. Erst der weitgehende Schwund des Fracks aus dem öffentlichen Leben ebnete dem Smoking den Weg zur Ballgarderobe der Wahl.

Wenn Sie also diesen Winter auf einer Einladung die Vermerke „Smoking“, „Black Tie“, „Dinner Jacket“ oder schlicht „Abendanzug“ lesen, erwartet der Gastgeber folgendes von Ihnen: Der Smoking ist ein schwarzer Anzug mit einem Spitz- oder Schalrevers, das mit ebenfalls schwarzem Satin oder Seidenrips besetzt ist. Die Hüfttaschen des Sakkos haben keine Klappen, die Taschenpaspeln und der Schließknopf dürfen aber mit demselben Material wie das Revers verziert sein. Ein korrekter Smoking hat übrigens nur einen einzigen Schließknopf am Sakko, sofern es sich nicht um einen Doppelreiher handelt. Die Smokinghose hat keine Stulpen oder Aufschläge, dafür aber einen zum Reversbesatz passenden Streifen — den so genannten Galon — entlang der äußeren Seitennaht des Hosenbeins. Sportliche Gürtelschlaufen sind tabu, stattdessen trägt man sie mit Hosenträgern oder Seitenspangen am Bund.

Da der Hosenbund niemals sichtbar sein sollte, ist für den einreihigen Smoking eine Weste oder ein Kummerbund obligatorisch. Der Kummerbund besteht aus demselben Material wie der Reversbesatz, die Weste entweder aus dem Oberstoff von Sakko und Hose oder aus schwarzer Seide. Nur die stilsichersten Männer dürfen sich bunte oder gar gemusterte Seide erlauben, im Zweifel geht ein solcher Versuch immer nach hinten los. Der perfekte Look für die Ballnacht wird komplettiert durch ein weißes Smokinghemd mit gefältelter oder gestärkter Hemdbrust, schwarze glatte Schuhe aus Lack- oder Kalbsleder sowie eine Schleife aus schwarzer Seide. Widerstehen Sie auch hier der Versuchung, den schwarzen Binder durch eine bunt gemusterte Variante zu ersetzen — schließlich besteht der elegante Eindruck des Smokings gerade durch seine Reduktion auf nur zwei Farben: schwarz und weiß.

Kenner ergänzen Ihren Abendanzug außerdem um ein weißes Einstecktuch aus Seide oder Leinen und eine weiße oder — hier bestätigt eine Ausnahme die Regel — rote Nelke im Reversknopfloch des Sakkos. Derart perfekt angezogen tragen Sie nicht nur dem geforderten Dresscode Rechnung, sondern bilden auch einen würdigen Rahmen für Ihre weibliche Begleitung und deren elegantes Ballkleid.

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk "Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten" gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.

3 Comments

  1. W.N.

    30. September 2013 um 00:38

    Bitte das wirklich schreckliche Bild zum guten Beitrag austauschen! So geht es gar nicht: Smoking mit fallendem (!) Revers sowie Hemd mit durchgeknöpfter Knopfleiste mit normalen Hemdknöpfen plus entweder Kombimanschetten (immer stillos) oder aber steife einfache Manschetten eines Frackhemds (was ich wegen der Hemdbrust eher nicht annehme). Hier geht nur Doppelmaschette und verdeckte Knopfleiste oder aber eingeknöpfte Zierknöpfe (studs) am Hemd.

  2. Harry Tasker

    9. Januar 2016 um 08:53

    Bezüglich des Fotos: die dort abgebildete „Schleife“ ist vorgebunden, geht gar nicht. Immer selbst binden, was aufgrund der nie perfekten Symmetrie einen persönlichen Touch verleiht. Ein durchgeknöpftes Hemd geht nur, wenn die Knöpfe aus Perlmutt sind. Die Manschetten sind auch falsch, es müssen Doppelmanschetten sein. Und ein fallendes Revers degradiert den eleganten Smoking zum ganz normalen Anzug. Hier geht nur Spitzfasson oder Schalkragen.

  3. A.A.

    15. Januar 2016 um 10:48

    Auch die maschinell gebundene Fliege ist ein Stilbruch!

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