Zwischendurch: Kleiderpflege

In dieser Serie konnten Sie hoffentlich bereits einiges über essentielle Stücke der Herrengarderobe lernen. Ein mindestens genausowichtiger Bestandteil gelungenen Auftretens besteht in der Pflege Ihrer Kleidung. Was die allermeisten für Ihren Körper als selbstverständlich erachten, wird in Sachen Kleidung meist sträflich vernachlässigt. Dabei bedarf es keines riesigen Utensilienarsenals und keiner Unmengen an Zeit und Mühe, um Ihre Kleidung – egal wie alt und oft getragen Sie auch sein mag – stets adäquat zu präsentieren.

Führen Sie sich nur das Erscheinungsbild seiner Majestät des Prince of Wales vor Augen: All seine Kleidungsstücke sind sehr lange in Gebrauch, vielerorts zeigen sich subtil die Tragegewohnheiten, vermittels derer der Eigentümer über die Jahre jedem von ihnen seine individuelle Note verpaßt hat – doch ungepflegt wirkt sein Auftreten nie. Seine Schuhe sind stets tadellos poliert, Anzüge, Hemden und Krawatten werden regelmäßig einer geeigneten Textilpflege unterzogen und so fort. Beherzigen Sie nur die folgenden kleinen Regeln zur Kleiderpflege und Sie werden – anständige Grundsubstanz stets vorausgesetzt – ähnlich lang Freude an Ihren Kleidungsstücken haben wie HRH.

Beginnen wir mit dem offensichtlichsten: Schuhpflege. Schuhe sollten nach jedem Tragen kurz mit einer Schmutz- und Staubbürste mit Schweineborstenbesatz abgebürstet werden. Anschließend wird der Schuh mit einer harten Schuhcreme sparsam eingerieben und nach mindestens einer Stunde Wartezeit glanzpoliert. Vergessen Sie die schwer erreichbaren Stellen zwischen Sohlenoberrand und Deckleder sowie die eventuell vorhandenen gestanzten Verzierungen nicht! Diese benötigen eine Sonderbehandlung mit einer feinen Auftragbürste. Gönnen Sie Ihren Schuhen zudem hin und wieder eine Behandlung mit Emulsionscreme. Diese enthält mehr Wasser und Pflegewirkstoffe und ist dadurch weniger fest. Die Emulsion wird sparsam mit einer Auftragbürste auf dem Schuh verteilt und der Überschuß mit einer Roßhaarbürste entfernt. Eine abschließende Glanzpolitur lässt den Schuh wie neu aussehen. Auch die regelmäßige Pflege der Sohlen wird sich auf Dauer gesehen auf die Haltbarkeit des Schuhs auswirken.

Ebensowichtig ist die pflegliche Behandlung des Anzugs oder der Kombination. Bürsten Sie Ihre Kleidung vor und nach jedem Trageintervall mit einer Naturfaserbürste – Borste oder kurzes Roßhaar eignen sich hier hervorragend – gründlich und nicht zu vorsichtig aus, um möglichst viel Staub und Haare aus dem Gewebe zu entfernen. Hosen sollten zudem regelmäßig gebügelt werden, um stets eine saubere Falte aufweisen zu können. Jacken sollten Sie zur Glättung allerdings besser in erfahrene Hände abgeben. Üblicherweise bietet jeder Maß- und Änderungsschneider einen Bügelservice an, der auch dringend in Anspruch genommen werden sollte. Die mühevoll aufgebauten Rundungen in Brust, Ärmel und Revers bleiben so erhalten. Diese beiden einfachen Pflegemaßnahmen können Ihnen so manchen Besuch in der Reinigung und damit dem Kleidungsstück die Folter mit harter Chemie ersparen. Nicht zu Unrecht gilt brush and steam in England als das Mittel der Wahl um Kleidung lange schön zu halten.

Krawatten zu Bügeln ist meist völlig unnötig. Die Tragefalten, die am Abend eines Langen Arbeitstages entstanden sind, hängen sich meist leicht aus. Noch besser ist es, die Krawatte über Nacht fest zusammenzurollen, so können sich die Seidenfasern wieder glätten. Sollte Ihre Krawatte einmal schmutzig werden, versuchen sie zunächst, den Fleck mit milden Reinigungsmittel – idealerweise nur lauwarmem Wasser – selbst zu entfernen und meiden sie die chemische Reinigung. Sollte sich ein Besuch dort nicht mehr vermeiden lassen, bestehen Sie darauf, die Krawatte selbst zu bügeln. Gehen Sie wie folgt vor: Stellen Sie Ihr Bügeleisen nicht allzu heiß und schalten Sie – sofern vorhanden – die Dampffunktion ein. Legen Sie ein Baumwolltuch auf die Krawatte und bügeln Sie vorsichtig und ohne Druck darüber. Üben Sie insbesondere keinen Druck auf die Kanten aus, um das Volumen der Krawatte nicht unwiederbringlich zu ruinieren. Ganz ähnlich lässt sich auch mit seidenen Einstecktüchern verfahren.

Zum Abschluß sollten Sie noch folgende grundlegende Regel beachten, die sich auf fast jedes Kleidungsstück – vom Schuh bis zur Krawatte – anwenden lässt: Tragen Sie dasselbe Stück nicht mehrere Tage nacheinander. Hochwertige Kleidung besteht aus Naturmaterialien, die nach Belastungsperioden eine ebensolange Ruhephase benötigen um Ihre Ausgangsform wieder anzunehmen. Schuhleder kann so die aufgenommene Feuchtigkeit wieder abgeben, Seide und Wolle können sich – wie der Schneider sagt – aushängen. Und: Lüften Sie Kleidungsstücke stets kurz aber gründlich. Benutzen Sie stets gute Holzkleiderbügel – solche mit ausgeformten Schultern für Jacken und Spannriemen für Hosen. Schuhe sollten zudem stets direkt nach dem Tragen aufgeleistet werden – ebenfalls auf Holzspannern.

Auf diese Art und Weise lässt sich die Lebensdauer eines Kleidungsstückes nicht nur enorm erhöhen, der Tragekomfort während seines Daseins wird auch wesentlich erhöht.

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Über Florian S. Küblbeck 186 Artikel

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk „Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten“ gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.

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